Grundbuch & Kataster

Grundbuch

Aufbau, Einträge und Einsicht – was Eigentümer wissen sollten

Archiv mit Karteischränken aus hellem Holz, eine Schublade voller Karteikarten ist herausgezogen

Wer ein Grundstück besitzt, erbt, kauft oder verkauft, kommt am Grundbuch nicht vorbei. Es ist das öffentliche Register, in dem verbindlich festgehalten wird, wem ein Grundstück gehört und welche Rechte und Lasten darauf ruhen – vom Wegerecht des Nachbarn bis zur Grundschuld der Bank. Was im Grundbuch steht, gilt im Rechtsverkehr als richtig. Deshalb prüfen Käufer, Banken und Notare es vor jedem Geschäft sehr genau.

Gerade bei land- und forstwirtschaftlichen Flächen lohnt sich ein aufmerksamer Blick. Viele Grundbuchblätter enthalten Einträge, die Jahrzehnte alt sind: ein Altenteil der Großeltern, eine längst abbezahlte Grundschuld oder ein Wegerecht, dessen genauer Verlauf niemand mehr kennt. Solche Einträge sind kein Hindernis für einen Verkauf, wenn man sie rechtzeitig erkennt und klärt.

In diesem Beitrag erfahren Sie, wie das Grundbuch aufgebaut ist, wie es sich vom Liegenschaftskataster unterscheidet, was nicht darin steht, wer Einsicht nehmen darf und wie Einträge geändert oder gelöscht werden.

Was ist das Grundbuch?

Das Grundbuch ist ein öffentliches Register über die Rechtsverhältnisse an Grundstücken. Es wird von den Amtsgerichten als Grundbuchämtern geführt (§ 1 GBO). Zuständig ist jeweils das Amtsgericht, in dessen Bezirk das Grundstück liegt. Die Verfahrensregeln stehen in der Grundbuchordnung (GBO) und der Grundbuchverfügung (GBV), die rechtlichen Wirkungen der Eintragungen im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB).

Grundbücher werden für Bezirke eingerichtet, die sich an Gemeinde- oder Gemarkungsgrenzen orientieren. In vielen Regionen entspricht der Grundbuchbezirk der Gemarkung. Innerhalb eines Bezirks erhält jedes Grundstück eine eigene Stelle, das Grundbuchblatt (§ 3 GBO). Gehören einer Person mehrere Grundstücke, deren Grundbücher dasselbe Grundbuchamt führt, dürfen sie auf einem gemeinsamen Blatt gebucht werden (§ 4 GBO). Bei landwirtschaftlichen Betrieben ist das häufig der Fall – ein einziges Blatt kann dann zahlreiche Acker-, Grünland- und Waldflächen enthalten.

Heute werden die Grundbücher weitgehend elektronisch geführt (§§ 126 ff. GBO). An der rechtlichen Bedeutung hat das nichts geändert: Das Grundbuch ist die maßgebliche Quelle, wenn es um Eigentum und dingliche Rechte an Grund und Boden geht.

Warum das Grundbuch so viel Gewicht hat

Zwei Grundsätze des BGB machen das Grundbuch zum Fundament des Grundstücksverkehrs. Erstens wird vermutet, dass ein eingetragenes Recht besteht und ein gelöschtes Recht nicht mehr besteht (§ 891 BGB). Zweitens darf sich ein Erwerber grundsätzlich auf den Inhalt des Grundbuchs verlassen. Man spricht vom öffentlichen Glauben des Grundbuchs (§ 892 BGB). Wer vom eingetragenen Eigentümer erwirbt, wird geschützt, auch wenn die Eintragung falsch war – es sei denn, ein Widerspruch ist eingetragen oder er kennt die Unrichtigkeit.

Der öffentliche Glaube ist also keine Information, die im Grundbuch steht, sondern eine Wirkung des Grundbuchs. Er erfasst die eingetragenen Rechtsverhältnisse, nicht aber rein beschreibende Angaben wie die Flächengröße oder die Nutzungsart.

Außerdem gilt: Das Eigentum an einem Grundstück wechselt nicht schon mit dem Kaufvertrag, sondern erst mit der Einigung (Auflassung) und der Eintragung im Grundbuch (§§ 873, 925 BGB). Zwischen Beurkundung und Umschreibung sichert deshalb meist eine Auflassungsvormerkung den Anspruch des Käufers.

Grundbuch und Liegenschaftskataster: der Unterschied

Grundbuch und Kataster werden häufig verwechselt. Beide Register beschreiben dasselbe Grundstück, aber aus unterschiedlichen Blickwinkeln:

  • Das Grundbuch (Amtsgericht) weist die Rechtsverhältnisse nach: Wer ist Eigentümer, welche Rechte Dritter bestehen, welche Grundpfandrechte sind eingetragen?
  • Das Liegenschaftskataster (Kataster- oder Vermessungsamt) weist die tatsächlichen Verhältnisse nach: Wo liegt das Flurstück, wie verlaufen die Grenzen, wie groß ist es, wie wird es genutzt, welche Gebäude stehen darauf?

Das Kataster ist das amtliche Verzeichnis, nach dem die Grundstücke im Grundbuch benannt werden (§ 2 Abs. 2 GBO). Die Bestandsangaben im Grundbuch – Gemarkung, Flur, Flurstück, Lage und Größe – stammen also aus dem Kataster. Umgekehrt übernimmt das Kataster die Eigentümerangaben aus dem Grundbuch. Beide Stellen teilen sich Änderungen gegenseitig mit. Das Kataster ist Landesrecht; Aufbau und Zuständigkeiten regeln die Vermessungs- und Katastergesetze der Länder.

Für Sie als Eigentümer heißt das: Für Eigentum und Belastungen ist das Grundbuch maßgeblich, für Lage und Grenzen das Kataster mit der Flurkarte. Dabei ist ein Grundstück im Sinne des Grundbuchs nicht automatisch dasselbe wie ein Flurstück: Ein Grundstück kann aus einem oder aus mehreren Flurstücken bestehen.

Wie ist ein Grundbuchblatt aufgebaut?

Jedes Grundbuchblatt folgt derselben Gliederung: Aufschrift, Bestandsverzeichnis und drei Abteilungen (§ 4 GBV). Wer diese Struktur kennt, findet sich auch in einem umfangreichen Auszug schnell zurecht.

Aufschrift

Die Aufschrift ist das Deckblatt. Sie nennt das zuständige Amtsgericht, den Grundbuchbezirk und die Nummer des Blattes – etwa in der Form „Grundbuch von [Bezirk] Blatt [Nummer]“. Wurde ein Blatt geschlossen, zum Beispiel weil alle Grundstücke auf andere Blätter übertragen wurden, oder auf ein neues Blatt umgeschrieben, steht hier ein entsprechender Vermerk. Besondere Grundbücher sind ebenfalls gekennzeichnet, etwa ein Erbbaugrundbuch (§ 14 ErbbauRG) oder ein Wohnungsgrundbuch (§ 7 WEG).

Bestandsverzeichnis

Das Bestandsverzeichnis beschreibt, welche Grundstücke auf dem Blatt gebucht sind. Jedes Grundstück hat eine laufende Nummer, gegebenenfalls mit Hinweis auf die bisherige Nummer. Dazu kommen die Angaben aus dem Kataster: Gemarkung, Flur, Flurstücksnummer, Wirtschaftsart und Lage – zum Beispiel „Landwirtschaftsfläche“ mit einem Straßen- oder Flurnamen – sowie die Größe.

Zusätzlich können hier Rechte vermerkt sein, die dem jeweiligen Eigentümer Ihres Grundstücks an einem anderen Grundstück zustehen, etwa ein Wegerecht über das Nachbarflurstück (§ 9 GBO). Solche Herrschvermerke sind für Käufer wertvoll, weil sie zeigen, welche Vorteile mit dem Grundstück verbunden sind.

Abteilung I: Eigentümer

In Abteilung I stehen der oder die Eigentümer sowie die Grundlage ihres Erwerbs, etwa Auflassung, Erbfolge oder Zuschlag in einer Zwangsversteigerung. Bei mehreren Eigentümern ist das Gemeinschaftsverhältnis angegeben: Miteigentum zu bestimmten Bruchteilen, Erbengemeinschaft oder Gesellschaft. Für einen Verkauf ist das entscheidend, denn das ganze Grundstück können nur alle Eigentümer gemeinsam verkaufen – bei einer Erbengemeinschaft also alle Miterben.

Ein häufiges Missverständnis: Erbbauberechtigte stehen nicht in Abteilung I des Grundstücks. Das Erbbaurecht wird im Grundbuch des Grundstücks in Abteilung II eingetragen; der Erbbauberechtigte erscheint in Abteilung I des gesonderten Erbbaugrundbuchs. Mehr dazu im Beitrag Erbbaurecht.

Abteilung II: Lasten und Beschränkungen

Abteilung II enthält alle Belastungen außer den Grundpfandrechten sowie Verfügungsbeschränkungen. Typische Einträge bei Agrar- und Forstflächen sind:

  • Grunddienstbarkeiten wie Wege-, Leitungs- oder Überfahrtsrechte (§§ 1018 ff. BGB), siehe auch den Beitrag Wegerecht
  • beschränkte persönliche Dienstbarkeiten, etwa für Strom-, Gas- oder Wasserleitungen von Versorgungsunternehmen (§§ 1090 ff. BGB)
  • Nießbrauch (§§ 1030 ff. BGB) und Wohnungsrecht (§ 1093 BGB)
  • Reallasten (§§ 1105 ff. BGB) und das auf dem Land verbreitete Altenteil oder Leibgeding, bei dem mehrere Rechte zusammengefasst eingetragen werden können (§ 49 GBO)
  • dingliche Vorkaufsrechte (§§ 1094 ff. BGB)
  • Erbbaurechte
  • Vormerkungen, insbesondere die Auflassungsvormerkung beim Verkauf (§ 883 BGB)
  • Vermerke über Verfügungsbeschränkungen und Verfahren, etwa Zwangsversteigerungs-, Insolvenz-, Testamentsvollstrecker- oder Nacherbenvermerk sowie Umlegungs- oder Sanierungsvermerke nach dem Baugesetzbuch

Der Eintrag selbst ist oft sehr knapp. Die Einzelheiten – etwa wo genau ein Weg verläuft oder wie breit ein Leitungsschutzstreifen ist – stehen in der Eintragungsbewilligung, auf die der Eintrag Bezug nimmt (§ 874 BGB). Diese Urkunde liegt in den Grundakten und kann dort eingesehen werden.

In den Ländern, in denen die Höfeordnung gilt (Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein), kann außerdem ein Hofvermerk eingetragen sein. Er zeigt an, dass für den Hof ein besonderes Erbrecht gilt – ein Punkt, den Sie bei Übergabe oder Verkauf eines landwirtschaftlichen Betriebs frühzeitig klären sollten.

Abteilung III: Grundpfandrechte

In Abteilung III stehen Hypotheken, Grundschulden und Rentenschulden (§§ 1113 ff., 1191 ff., 1199 ff. BGB). Sie sichern Darlehen ab; in der Praxis ist heute die Grundschuld üblich. Wichtig: Eine Grundschuld bleibt auch nach vollständiger Rückzahlung des Darlehens eingetragen, bis sie ausdrücklich gelöscht wird. Hintergründe finden Sie im Beitrag Grundpfandrecht.

Die Reihenfolge der Rechte in den Abteilungen II und III bestimmt ihren Rang (§ 879 BGB). Der Rang entscheidet zum Beispiel in einer Zwangsversteigerung darüber, welches Recht bestehen bleibt und welcher Gläubiger zuerst bedient wird. Banken achten deshalb genau darauf, an welcher Rangstelle ihre Grundschuld steht.

Was nicht im Grundbuch steht

Das Grundbuch ist zentral, aber nicht vollständig. Einige für Käufer bedeutsame Umstände finden Sie dort nicht:

  • Pachtverträge: Sie werden nicht eingetragen. Bei einem Verkauf tritt der Käufer grundsätzlich in bestehende Pachtverträge ein (§ 593b BGB in Verbindung mit § 566 BGB). Landpachtverträge sind außerdem der zuständigen Behörde anzuzeigen (§ 2 LPachtVG).
  • Baulasten: Sie stehen im Baulastenverzeichnis der Bauaufsichtsbehörde. Dieses gibt es in den meisten Bundesländern; Bayern etwa kennt keine Baulasten.
  • Gesetzliche Vorkaufsrechte: Das Vorkaufsrecht der Gemeinde nach §§ 24 ff. BauGB oder das siedlungsrechtliche Vorkaufsrecht bei landwirtschaftlichen Flächen ergeben sich direkt aus dem Gesetz und stehen nicht im Grundbuch. Näheres im Beitrag Vorkaufsrecht.
  • Öffentlich-rechtliche Bindungen: Festsetzungen eines Bebauungsplans, Schutzgebiete, Denkmalschutz oder Altlasten ergeben sich aus anderen Quellen.
  • Grenzverlauf in der Örtlichkeit: Wo genau die Grenze im Gelände verläuft, ergibt sich aus dem Kataster und gegebenenfalls aus einer Vermessung.

Zu einer sorgfältigen Prüfung gehört neben dem Grundbuchauszug deshalb immer auch ein Blick in Kataster, Baulastenverzeichnis und Planungsunterlagen.

Wann und wie wird ins Grundbuch eingetragen?

Eintragungen erfolgen grundsätzlich nur auf Antrag (§ 13 GBO) und nur, wenn derjenige sie bewilligt, dessen Recht betroffen ist (§ 19 GBO). Die nötigen Erklärungen müssen durch öffentliche oder öffentlich beglaubigte Urkunden nachgewiesen werden (§ 29 GBO). Deshalb führt der Weg zum Grundbuchamt in den meisten Fällen über einen Notar.

Typische Anlässe für eine Eintragung sind:

  • Eigentümerwechsel durch Kauf oder Schenkung: Der Vertrag muss notariell beurkundet werden (§ 311b Abs. 1 BGB), die Auflassung wird dem Grundbuchamt nachgewiesen (§ 20 GBO). Mehr im Beitrag Grundstückskaufvertrag.
  • Erbfall: Das Eigentum geht mit dem Tod auf die Erben über, das Grundbuch wird berichtigt. Als Nachweis dienen ein Erbschein, ein Europäisches Nachlasszeugnis oder ein notarielles Testament beziehungsweise ein Erbvertrag zusammen mit der Eröffnungsniederschrift des Nachlassgerichts (§ 35 GBO).
  • Finanzierung: Die Bank lässt zur Absicherung eine Grundschuld eintragen.
  • Einräumung von Rechten: Wege-, Leitungs- und Wohnungsrechte oder ein Nießbrauch werden bewilligt und eingetragen. Auch Betreiber von Solar- oder Windparks sichern ihre Nutzung häufig über Dienstbarkeiten ab.
  • Veränderungen am Bestand: Werden Grundstücke vereinigt oder einem anderen als Bestandteil zugeschrieben (§ 890 BGB, §§ 5, 6 GBO) oder wird ein Teil abgeschrieben, ändert sich das Bestandsverzeichnis. Ein Grundstücksteil kann grundsätzlich nur abgeschrieben werden, wenn er im Kataster als eigenes Flurstück geführt wird (§ 2 Abs. 3 GBO) – dafür ist in der Regel eine Teilungsvermessung nötig.

Die Bearbeitungsdauer hängt vom jeweiligen Grundbuchamt und von der Vollständigkeit der Unterlagen ab. Fehlende Nachweise oder Genehmigungen sind der häufigste Grund für Verzögerungen.

Grundbuchauszug: wann Sie ihn brauchen und wie Sie ihn erhalten

Einen aktuellen Grundbuchauszug benötigen Sie in vielen Situationen:

  • Beim Verkauf: Kaufinteressenten und deren Banken wollen wissen, welche Rechte und Lasten bestehen. Der Notar holt vor der Beurkundung selbst einen aktuellen Stand ein. Für die Vorbereitung und das Exposé sollten Sie den Auszug aber schon früher vorliegen haben. Eine Übersicht weiterer Dokumente bietet der Ratgeber Unterlagen für den Immobilienverkauf.
  • Beim Kauf: Käufer prüfen, ob der Verkäufer tatsächlich Eigentümer ist und welche Belastungen übernommen werden müssten.
  • Bei Finanzierungen: Wer ein Grundstück als Sicherheit einsetzen möchte, muss der Bank den Auszug vorlegen.
  • Im Erbfall und bei Vermögensauseinandersetzungen: etwa zur Nachlassregelung oder zur Berechnung eines Zugewinnausgleichs.
  • Bei Pacht- und Nutzungsverträgen: Projektierer von Energieanlagen lassen sich vor Vertragsschluss in der Regel zeigen, wer verfügungsberechtigt ist und welche Rechte bereits bestehen.

Den Auszug beantragen Sie beim Grundbuchamt des zuständigen Amtsgerichts – schriftlich, persönlich oder in vielen Ländern über ein Online-Formular. Sie müssen sich ausweisen und gegebenenfalls Ihr berechtigtes Interesse oder eine Vollmacht nachweisen. Auch Notarinnen und Notare können Ausdrucke erteilen. Es gibt einfache Ausdrucke und amtliche (beglaubigte) Ausdrucke; Letztere werden vor allem für Behörden und Gerichte verlangt. Die Gebühren richten sich nach dem GNotKG.

Wenn Sie uns mit der Vermarktung beauftragen, kann der Auszug mit Ihrer Vollmacht angefordert werden. So liegen Käufern von Anfang an verlässliche Informationen vor.

Wer darf das Grundbuch einsehen?

Das Grundbuch ist öffentlich, aber nicht für jedermann frei zugänglich. Einsicht erhält, wer ein berechtigtes Interesse darlegt (§ 12 GBO). Das Interesse muss sachlich begründet sein – bloße Neugier reicht nicht. Das gilt auch für die Urkunden in den Grundakten, auf die eine Eintragung Bezug nimmt.

Ein berechtigtes Interesse haben in der Regel:

  • Eigentümer und Miteigentümer
  • Berechtigte aus Abteilung II und III, etwa Gläubiger oder Inhaber eines Wegerechts
  • Erben, die ihre Erbenstellung nachweisen, und unter Umständen Pflichtteilsberechtigte, die ihren Anspruch berechnen wollen
  • (frühere) Ehegatten im Einzelfall, etwa zur Berechnung eines Zugewinnausgleichs
  • Gläubiger, die in das Grundstück vollstrecken wollen
  • Nachbarn, wenn sie ein konkretes rechtliches Anliegen haben, zum Beispiel in einer Grenz- oder Überbaufrage
  • Kaufinteressenten und Makler in der Regel nur mit Vollmacht oder Zustimmung des Eigentümers

Für Notare, Gerichte, Behörden und öffentlich bestellte Vermessungsingenieure gelten Erleichterungen; sie nutzen häufig den elektronischen Zugriff. Eigentümer können grundsätzlich Auskunft darüber verlangen, wer Einsicht genommen hat, denn Einsichten werden protokolliert.

Einträge ändern und löschen

Ein Recht verschwindet nicht von allein aus dem Grundbuch. Für die Aufhebung braucht es in der Regel eine Erklärung des Berechtigten und die Löschung im Grundbuch (§ 875 BGB). Je nach Art des Eintrags unterscheiden sich die Wege.

Grundschuld löschen

Ist das Darlehen zurückgezahlt, erteilt die Bank eine Löschungsbewilligung. Für die Löschung eines Grundpfandrechts ist außerdem die Zustimmung des Eigentümers erforderlich (§ 27 GBO). Beide Erklärungen müssen in öffentlich beglaubigter Form vorliegen (§ 29 GBO), deshalb läuft die Löschung meist über einen Notar. Bei einer Briefgrundschuld muss zusätzlich der Grundschuldbrief vorgelegt werden. Ist er verloren gegangen, muss er in einem gerichtlichen Aufgebotsverfahren für kraftlos erklärt werden – das kostet Zeit und sollte vor einem Verkauf früh angestoßen werden. Weitere Hinweise gibt der Ratgeber Grundschuld löschen lassen.

Nicht immer ist die Löschung sinnvoll: Wer bald neu finanzieren möchte, kann eine bestehende Grundschuld unter Umständen weiter nutzen. Das sollten Sie mit Ihrer Bank besprechen.

Wohnrecht, Nießbrauch und Altenteil

Lebenslange Rechte wie Wohnungsrecht, Nießbrauch oder Altenteil erlöschen mit dem Tod des Berechtigten. Die Löschung erfolgt dann häufig gegen Vorlage der Sterbeurkunde. Ob das sofort genügt, hängt davon ab, ob ein sogenannter Löschungserleichterungsvermerk eingetragen ist (§ 23 GBO). Fehlt er, kann für eine gewisse Zeit die Bewilligung der Erben des Berechtigten nötig sein. Zu Lebzeiten ist für die Löschung die Bewilligung des Berechtigten erforderlich.

Wegerecht und andere Dienstbarkeiten

Dienstbarkeiten werden gelöscht, wenn der Berechtigte die Löschung bewilligt. Bei einer Grunddienstbarkeit ist das der jeweilige Eigentümer des begünstigten Grundstücks. Daneben kann ein Recht erlöschen, weil es befristet war, eine vereinbarte Bedingung eingetreten ist oder es in einer Zwangsversteigerung nicht bestehen geblieben ist. Offensichtlich gegenstandslose Eintragungen kann das Grundbuchamt in einem besonderen Verfahren auch von Amts wegen löschen (§§ 84 ff. GBO).

Wenn das Grundbuch falsch ist

Stimmt das Grundbuch nicht mit der wirklichen Rechtslage überein, kann der Betroffene die Berichtigung verlangen (§ 894 BGB). Das Grundbuchamt berichtigt, wenn die Unrichtigkeit nachgewiesen oder bewilligt ist (§ 22 GBO). Bis zur Klärung kann ein Widerspruch eingetragen werden, der den gutgläubigen Erwerb durch Dritte verhindert (§ 899 BGB).

Die Kosten für Eintragungen und Löschungen richten sich nach dem GNotKG und hängen vor allem vom Geschäftswert und von der Art des Eintrags ab. Hinzu kommen gegebenenfalls Notargebühren für Beglaubigungen und Entwürfe.

Praxisbeispiel: geerbte Ackerflächen mit alten Einträgen

Zwei Geschwister erben von ihrem Vater mehrere Ackerflächen und ein Waldstück, die alle auf einem gemeinsamen Grundbuchblatt gebucht sind. Die Ackerflächen möchten sie verkaufen, den Wald behalten. Ein Teil der Äcker ist an einen Nachbarbetrieb verpachtet.

Der Grundbuchauszug zeigt ein typisches Bild: In Abteilung I ist noch der Vater eingetragen. In Abteilung II steht ein Altenteil zugunsten der bereits verstorbenen Großmutter und ein Leitungsrecht eines Energieversorgers. In Abteilung III ist eine Briefgrundschuld einer Genossenschaftsbank eingetragen, das zugehörige Darlehen wurde vor langer Zeit getilgt.

Die Geschwister gehen Schritt für Schritt vor. Zuerst beantragen sie mit dem Erbschein die Berichtigung des Grundbuchs – innerhalb von zwei Jahren nach dem Erbfall ohne Gerichtsgebühr für die Eintragung. Das Altenteil lassen sie mit der Sterbeurkunde der Großmutter löschen; der Notar prüft, ob ein Löschungserleichterungsvermerk eingetragen ist. Bei der Bank fordern sie die Löschungsbewilligung an und suchen parallel den Grundschuldbrief in den Unterlagen des Vaters.

Das Leitungsrecht bleibt bestehen. Die Geschwister lassen sich die Eintragungsbewilligung aus den Grundakten geben, damit Kaufinteressenten den Verlauf und die Breite des Schutzstreifens nachvollziehen können. Weil die Ackerflächen im Bestandsverzeichnis unter eigenen laufenden Nummern gebucht sind, können sie ohne Vermessung getrennt vom Wald verkauft werden. Dass der Käufer in den bestehenden Pachtvertrag eintritt, wird im Exposé offen dargestellt.

Das Ergebnis: Käufer und Notar finden ein bereinigtes Grundbuch vor, offene Fragen sind vor den ersten Besichtigungen geklärt. Für Erben in ähnlicher Lage bietet der Beitrag Grundstück geerbt weitere Orientierung.

Checkliste: Grundbuch vor Verkauf oder Kauf prüfen

  • Aktuellen Grundbuchauszug für alle betroffenen Grundbuchblätter anfordern
  • Abteilung I prüfen: Sind die richtigen Eigentümer eingetragen? Nach einem Erbfall die Berichtigung beantragen
  • Bestandsverzeichnis mit der Flurkarte abgleichen: Stimmen Gemarkung, Flur, Flurstücksnummern und Größe?
  • Herrschvermerke beachten: Welche Rechte stehen Ihrem Grundstück an Nachbarflächen zu?
  • Abteilung II Eintrag für Eintrag verstehen und bei Bedarf die Bewilligungen aus den Grundakten anfordern
  • Erloschene Rechte (verstorbene Berechtigte, abgelaufene Befristungen) löschen lassen
  • Abteilung III prüfen: Löschungsbewilligungen für getilgte Grundschulden besorgen und Grundschuldbriefe suchen
  • Nicht eingetragene Umstände klären: Pachtverträge, Baulasten, gesetzliche Vorkaufsrechte, Planungsrecht
  • Alle Unterlagen für Notar, Käufer und Bewertung übersichtlich zusammenstellen

Fazit

Das Grundbuch beantwortet die rechtlich entscheidenden Fragen: Wem gehört das Grundstück, und welche Rechte Dritter lasten darauf? Zusammen mit dem Liegenschaftskataster, das Lage und Grenzen beschreibt, bildet es die Grundlage jedes Grundstücksgeschäfts. Wer seinen Auszug vor einem Verkauf in Ruhe prüft, alte Einträge löschen lässt und bestehende Rechte erklären kann, schafft Vertrauen bei Käufern und vermeidet Verzögerungen beim Notar.

Wenn Sie eine Fläche verkaufen möchten, lassen Sie zunächst ihren Wert über unsere Grundstücksbewertung einschätzen oder informieren Sie sich, wie wir Sie beim Verkauf von Ackerland persönlich begleiten.

Häufige Fragen: Grundbuch

Wer darf das Grundbuch einsehen?

Einsicht erhält, wer ein berechtigtes Interesse darlegt (§ 12 GBO). Das sind vor allem die Eigentümer selbst, im Grundbuch eingetragene Berechtigte, Erben und Personen mit einer Vollmacht des Eigentümers. Für Notare, Behörden und öffentlich bestellte Vermessungsingenieure gelten Erleichterungen. Bloße Neugier oder ein allgemeines Kaufinteresse genügen nicht.

Was ist der Unterschied zwischen Grundbuch und Liegenschaftskataster?

Das Grundbuch beim Amtsgericht weist die Rechtsverhältnisse nach: Eigentum, Lasten und Grundpfandrechte. Das Liegenschaftskataster der Vermessungsverwaltung beschreibt die tatsächlichen Verhältnisse, also Lage, Grenzen, Fläche und Nutzung der Flurstücke. Beide Register werden laufend miteinander abgeglichen.

Wie bekomme ich einen Grundbuchauszug?

Eigentümer beantragen den Auszug beim Grundbuchamt des Amtsgerichts, in dessen Bezirk das Grundstück liegt. Viele Länder bieten dafür Online-Formulare an, auch Notare können Ausdrucke erteilen. Die Gebühren richten sich nach dem Gerichts- und Notarkostengesetz (GNotKG) und unterscheiden sich je nachdem, ob Sie einen einfachen oder einen amtlichen Ausdruck benötigen.

Muss ich mich als Erbe ins Grundbuch eintragen lassen?

Mit dem Erbfall geht das Eigentum kraft Gesetzes auf die Erben über, das Grundbuch wird dadurch unrichtig und muss berichtigt werden. Das Grundbuchamt kann die Erben dazu auffordern (§ 82 GBO). Wird der Antrag innerhalb von zwei Jahren nach dem Erbfall gestellt, erhebt das Grundbuchamt für die Eintragung der Erben nach dem GNotKG keine Gebühr.

Wie wird eine abbezahlte Grundschuld gelöscht?

Sie benötigen die Löschungsbewilligung der Bank und Ihre Zustimmung als Eigentümer (§ 27 GBO), beides in öffentlich beglaubigter Form (§ 29 GBO). In der Praxis reicht meist ein Notar den Antrag beim Grundbuchamt ein. Bei einer Briefgrundschuld muss zusätzlich der Grundschuldbrief vorgelegt werden.

Stehen Pachtverträge oder Baulasten im Grundbuch?

Nein. Pachtverträge werden nicht eingetragen, gehen bei einem Verkauf aber grundsätzlich auf den Käufer über (§ 593b BGB). Baulasten stehen im Baulastenverzeichnis der Bauaufsichtsbehörde, das es in den meisten Bundesländern gibt – Bayern etwa kennt keine Baulasten.

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