Wegerecht verstehen
Grunddienstbarkeit, Notweg und Baulast – was Grundstückseigentümer wissen sollten
Viele Flächen in Deutschland liegen nicht direkt an einer öffentlichen Straße: die Wiese hinter dem Nachbarhof, das Waldstück mitten im Forst, das Baugrundstück in zweiter Reihe. Damit Eigentümer, Pächter oder Käufer ihr Grundstück trotzdem erreichen, brauchen sie ein Wegerecht. Umgekehrt sollte jeder Eigentümer eines belasteten Grundstücks wissen, was er dulden muss – und was nicht.
„Wegerecht“ ist dabei kein eigener Gesetzesbegriff, sondern ein Sammelbegriff. Meist ist eine Dienstbarkeit aus dem Sachenrecht des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) gemeint, die im Grundbuch eingetragen ist und deshalb gegenüber jedem künftigen Eigentümer gilt. Daneben gibt es das gesetzliche Notwegrecht, rein vertragliche Absprachen, öffentliche Wege und – je nach Bundesland – die Baulast.
In diesem Beitrag erfahren Sie, welche Formen des Wegerechts es gibt, wie ein Wegerecht entsteht und wieder erlischt, wer den Weg unterhalten muss und wie sich ein Wegerecht auf Wert und Verkauf eines Grundstücks auswirkt.
Was ist ein Wegerecht?
Ein Wegerecht berechtigt dazu, einen Weg über ein fremdes Grundstück zu benutzen – in aller Regel, um ein anderes Grundstück zu erreichen. Das Grundstück, über das der Weg führt, heißt dienendes oder belastetes Grundstück. Das Grundstück, dem das Recht zugutekommt, heißt herrschendes oder begünstigtes Grundstück.
Für die Praxis ist vor allem eine Unterscheidung wichtig:
- Dingliches Wegerecht: Es ist im Grundbuch eingetragen und haftet am Grundstück selbst. Es gilt gegenüber jedem Eigentümer – auch nach einem Verkauf, einer Schenkung oder einem Erbfall.
- Schuldrechtliches Wegerecht: Es beruht nur auf einer Vereinbarung zwischen zwei Personen, etwa einer Gestattung per Handschlag oder einem schriftlichen Nutzungsvertrag. Es bindet nur die Vertragspartner. Ein neuer Eigentümer des dienenden Grundstücks ist daran grundsätzlich nicht gebunden.
Was genau erlaubt ist, hängt vom Inhalt des Rechts ab. Geregelt werden typischerweise der Zweck (etwa Zugang zu einem Wohnhaus, Bewirtschaftung einer Ackerfläche, Holzabfuhr aus dem Wald), die Art der Nutzung (zu Fuß, mit Pkw, mit landwirtschaftlichen Maschinen oder Lkw), der Ort der Ausübung und die Pflichten zur Unterhaltung des Weges. Je genauer diese Punkte festgelegt sind, desto seltener kommt es später zu Streit.
Die Arten von Wegerechten im Überblick
Grunddienstbarkeit (§§ 1018 ff. BGB)
Die häufigste Form ist die Grunddienstbarkeit. Nach § 1018 BGB wird ein Grundstück zugunsten des jeweiligen Eigentümers eines anderen Grundstücks belastet. Dieser darf das dienende Grundstück dann in einzelnen Beziehungen benutzen, zum Beispiel darüber gehen und fahren. Das Recht muss dem herrschenden Grundstück einen Vorteil bieten (§ 1019 BGB).
Weil die Grunddienstbarkeit am herrschenden Grundstück hängt und nicht an einer Person, geht sie bei einem Verkauf automatisch auf den neuen Eigentümer über. Eingetragen wird sie in Abteilung II des Grundbuchs des dienenden Grundstücks. Auf Antrag kann sie zusätzlich im Bestandsverzeichnis des herrschenden Grundstücks vermerkt werden (sogenannter Herrschvermerk, § 9 GBO). Das macht das Recht auch dort sichtbar – etwa für Käufer und Banken.
Beschränkte persönliche Dienstbarkeit (§§ 1090 ff. BGB)
Die beschränkte persönliche Dienstbarkeit steht nicht dem jeweiligen Eigentümer eines Grundstücks zu, sondern einer bestimmten Person oder Organisation. Sie ist grundsätzlich nicht übertragbar (§ 1092 Abs. 1 BGB) und erlischt mit dem Tod des Berechtigten bzw. mit dem Erlöschen einer juristischen Person (§ 1090 Abs. 2 in Verbindung mit § 1061 BGB). Für juristische Personen und bestimmte Versorgungsanlagen sieht § 1092 BGB Ausnahmen von der Unübertragbarkeit vor.
In der Praxis nutzen vor allem Gemeinden, Netzbetreiber und Betreiber von Energieanlagen diese Form – etwa für Zufahrten zu Anlagen oder für Leitungstrassen.
Notwegrecht (§§ 917, 918 BGB)
Das Notwegrecht ist ein gesetzliches Recht und wird nicht im Grundbuch eingetragen. Fehlt einem Grundstück die zur ordnungsmäßigen Benutzung notwendige Verbindung mit einem öffentlichen Weg, kann der Eigentümer nach § 917 Abs. 1 BGB von den Nachbarn verlangen, dass sie die Benutzung ihrer Grundstücke zur Herstellung der Verbindung dulden. Die Nachbarn erhalten dafür eine Notwegrente in Geld (§ 917 Abs. 2 BGB).
Die Hürden sind hoch. Eine bequemere oder kürzere Zufahrt genügt nicht; es muss an einer notwendigen Verbindung fehlen. Maßstab ist die ordnungsmäßige Benutzung des Grundstücks – bei einer Ackerfläche also die landwirtschaftliche Bewirtschaftung, bei einem Wohngrundstück die Zufahrt zum Haus.
Hat der Eigentümer eine bestehende Verbindung durch eigenes, willkürliches Handeln aufgegeben, ist der Notweg ausgeschlossen (§ 918 Abs. 1 BGB). Wird ein Grundstück geteilt und verliert ein Teil dadurch die Verbindung, muss nach § 918 Abs. 2 BGB in erster Linie der Teil den Weg dulden, über den die Verbindung bisher lief. Das Notwegrecht endet, sobald der Mangel behoben ist, etwa durch eine neue Zufahrt.
Vertragliche Gestattung und bloße Duldung
Viele Wege werden seit Generationen auf Grundlage mündlicher Absprachen genutzt. Eine solche Gestattung oder eine unentgeltliche Leihe (§ 598 BGB) ist rechtlich wirksam, bindet aber nur die Beteiligten und kann je nach Vereinbarung gekündigt oder widerrufen werden. Spätestens wenn das dienende Grundstück verkauft, übergeben oder vererbt wird, zeigt sich, wie schwach diese Grundlage ist.
Ein verbreiteter Irrtum betrifft das Gewohnheitsrecht. Nach heutiger Rechtsprechung entsteht zwischen einzelnen Grundstücksnachbarn kein Wegerecht allein dadurch, dass ein Weg über Jahrzehnte genutzt und geduldet wurde. Gewohnheitsrecht setzt eine allgemeine, über den Einzelfall hinausreichende Rechtsüberzeugung voraus, die im Verhältnis zweier Nachbarn in aller Regel fehlt. Wer auf den Weg angewiesen ist, kann dann allenfalls ein Notwegrecht geltend machen – oder er verhandelt eine Dienstbarkeit.
Öffentliche Wege und Betretungsrechte
Von den privaten Wegerechten zu unterscheiden sind öffentliche Wege. Ob ein Weg öffentlich ist, richtet sich nach den Straßen- und Wegegesetzen der Länder (länderspezifisch), in der Regel nach einer Widmung durch die zuständige Behörde. Viele landwirtschaftliche Wirtschaftswege gehören Gemeinden oder sind im Rahmen eines Flurbereinigungsverfahrens entstanden.
Außerdem darf jedermann die freie Landschaft auf Straßen und Wegen zur Erholung betreten (§ 59 BNatSchG) und den Wald zum Zweck der Erholung betreten (§ 14 BWaldG). Die Einzelheiten – etwa zum Reiten oder Radfahren – regeln die Länder. Diese Betretungsrechte sind kein Wegerecht im hier beschriebenen Sinn: Sie berechtigen nicht dazu, mit Fahrzeugen zu einem bestimmten Grundstück zu fahren.
Baulast (Landesrecht)
Die Baulast ist eine öffentlich-rechtliche Verpflichtung des Eigentümers gegenüber der Bauaufsichtsbehörde, die in das Baulastenverzeichnis eingetragen wird. Eine Zufahrtsbaulast sichert zum Beispiel, dass ein Hinterliegergrundstück baurechtlich erschlossen ist. Die Baulast ist in den Landesbauordnungen geregelt und damit länderspezifisch; nicht alle Bundesländer kennen sie – in Bayern etwa gibt es kein Baulastenverzeichnis.
Wichtig: Eine Baulast verschafft dem Nachbarn nach herrschender Auffassung kein eigenes privates Nutzungsrecht. Deshalb werden Zufahrten häufig doppelt gesichert – durch Baulast und Grunddienstbarkeit.
In Österreich und Südtirol spricht man statt von Dienstbarkeit traditionell von einer Servitut. Gemeint ist im Kern dasselbe; für Grundstücke in Deutschland gelten jedoch ausschließlich die hier beschriebenen Regeln.
So entsteht ein Wegerecht: Vereinbarung und Grundbuch
Ein dingliches Wegerecht entsteht durch Einigung der Beteiligten und Eintragung im Grundbuch (§ 873 BGB). Das Grundbuchamt trägt das Recht ein, wenn der Eigentümer des dienenden Grundstücks die Eintragung bewilligt (§ 19 GBO). Diese Eintragungsbewilligung muss notariell beglaubigt sein (§ 29 GBO). In der Praxis entwirft meist der Notar die Bewilligung und reicht den Antrag beim Grundbuchamt ein.
Im Grundbuch selbst steht oft nur ein kurzer Vermerk, etwa ein Geh- und Fahrrecht für den jeweiligen Eigentümer eines bestimmten Flurstücks. Für die Einzelheiten nimmt die Eintragung auf die Bewilligung Bezug (§ 874 BGB). Diese Urkunde liegt in der Grundakte beim Grundbuchamt; Eigentümer und Personen mit berechtigtem Interesse können Einsicht nehmen (§ 12 GBO). Wer ein Wegerecht prüfen will, sollte sich deshalb nie nur auf den Grundbuchauszug verlassen. Mehr zum Aufbau des Grundbuchs lesen Sie im Beitrag Grundbuch.
Eine gute Bewilligung regelt mindestens:
- den genauen Verlauf und die Breite des Weges, am besten mit einem Lageplan auf Grundlage der Flurkarte,
- die zulässige Nutzung (Gehen, Fahren, Fahrzeugarten, gegebenenfalls den Zweck),
- die Unterhaltung, die Verkehrssicherung und die Kostenverteilung,
- gegebenenfalls ein Entgelt – einmalig oder laufend. Eine laufende Zahlung lässt sich zum Beispiel über eine Reallast (§§ 1105 ff. BGB) absichern.
Auch der Rang ist wichtig (§ 879 BGB). Stehen vor dem Wegerecht bereits Grundschulden im Grundbuch, kann das Wegerecht in einer Zwangsversteigerung erlöschen, wenn ein vorrangiger Gläubiger die Versteigerung betreibt. Berechtigte achten deshalb darauf, dass Banken mit ihren Rechten im Rang zurücktreten.
Die Kosten für Notar und Grundbuchamt richten sich nach dem Gerichts- und Notarkostengesetz (GNotKG) und hängen vom Geschäftswert des Rechts ab. Eine Entschädigung für den Eigentümer des dienenden Grundstücks ist dagegen frei verhandelbar.
Rechte und Pflichten der Beteiligten
Was der Berechtigte darf
Der Berechtigte darf den Weg im vereinbarten Umfang nutzen. Dabei muss er nach § 1020 Satz 1 BGB das Interesse des Eigentümers so weit wie möglich schonen. Wer ein Fahrrecht zur landwirtschaftlichen Bewirtschaftung hat, darf also nicht ohne Weiteres den Schwerlastverkehr eines Gewerbebetriebs über den Weg leiten.
Ändert sich die Nutzung des herrschenden Grundstücks grundlegend – etwa weil aus einer Ackerfläche Bauland wird –, kann das den Umfang des Rechts überschreiten. Ob eine Nutzungssteigerung noch gedeckt ist, hängt vom Wortlaut der Bewilligung und den Umständen ab und sollte im Einzelfall rechtlich geprüft werden.
Was der Eigentümer des dienenden Grundstücks dulden muss
Der Eigentümer muss die Nutzung dulden und alles unterlassen, was sie beeinträchtigt – etwa den Weg zuparken, bepflanzen oder überbauen. Er bleibt aber Eigentümer: Er darf die Fläche selbst nutzen, auch den Weg, solange das Recht nicht ausschließlich eingeräumt ist. Tore oder Schranken sind nur zulässig, wenn sie die Ausübung nicht unzumutbar erschweren, zum Beispiel wenn der Berechtigte einen Schlüssel erhält. Solche Punkte sollten Sie ausdrücklich regeln.
Ist die Ausübung an der bisherigen Stelle für den Eigentümer besonders beschwerlich, kann er nach § 1023 BGB verlangen, dass der Weg an eine für den Berechtigten ebenso geeignete Stelle verlegt wird. Die Kosten der Verlegung trägt er selbst und muss sie vorschießen.
Unterhaltung, Verkehrssicherung und Haftung
Anders als oft angenommen, muss nicht automatisch der Eigentümer des dienenden Grundstücks den Weg unterhalten. Hält der Berechtigte zur Ausübung eine Anlage – etwa einen befestigten Weg –, muss er sie nach § 1020 Satz 2 BGB in ordnungsmäßigem Zustand erhalten, soweit das Interesse des Eigentümers es erfordert. Die Beteiligten können nach § 1021 BGB vereinbaren, dass stattdessen der Eigentümer die Anlage unterhält; diese Pflicht wirkt dann ebenfalls gegenüber späteren Eigentümern. Nutzen beide den Weg, ist eine anteilige Kostenregel sinnvoll.
Eng damit verbunden ist die Verkehrssicherungspflicht. Wer einen Weg für andere eröffnet oder unterhält, muss zumutbare Vorkehrungen gegen Gefahren treffen – etwa bei tiefen Schlaglöchern, morschen Bäumen am Wegesrand oder Glätte. Kommt jemand zu Schaden, droht eine Haftung nach § 823 BGB. Klären Sie deshalb vertraglich, wer räumt, streut und Bäume kontrolliert, und prüfen Sie Ihren Haftpflichtversicherungsschutz.
Wenn das Recht gestört wird
Wird das Wegerecht beeinträchtigt, kann der Berechtigte Beseitigung und Unterlassung verlangen (§ 1027 in Verbindung mit § 1004 BGB). Umgekehrt kann sich auch der Eigentümer wehren, wenn der Berechtigte sein Recht überschreitet.
Vorsicht bei dauerhaften Hindernissen: Steht auf dem dienenden Grundstück eine Anlage, die das Recht beeinträchtigt – etwa ein Zaun oder ein Gebäude –, unterliegt der Beseitigungsanspruch der Verjährung, auch wenn die Dienstbarkeit eingetragen ist. Mit der Verjährung erlischt die Dienstbarkeit, soweit die Anlage ihr entgegensteht (§ 1028 BGB). Berechtigte sollten also nicht jahrelang abwarten.
In Nachbarstreitigkeiten schreiben einige Bundesländer vor einer Klage ein Schlichtungsverfahren vor (§ 15a EGZPO in Verbindung mit Landesrecht, länderspezifisch). Ein ruhiges Gespräch – gegebenenfalls mit Unterstützung einer Mediation – ist fast immer der günstigere erste Schritt.
Geh-, Fahr- und Leitungsrecht: typische Inhalte in der Praxis
Gehrecht: Es erlaubt nur das Begehen, etwa den Zugang zu einem Garten oder einem Hauseingang. Fahrzeuge dürfen den Weg nicht benutzen.
Fahrrecht: Es erlaubt das Befahren – und sollte festlegen, womit. Für Agrar- und Forstflächen ist das entscheidend: Ein Fahrrecht für Pkw hilft wenig, wenn Mähdrescher, Güllefass oder Holz-Lkw die Fläche erreichen müssen. Sinnvoll sind Regelungen zur Wegebreite, zur Tragfähigkeit, zu Wendeflächen und – bei Wald – zu Holzlagerplätzen am Weg.
Gerade bei Waldflächen zeigt sich der Wert einer sauberen Regelung: Ohne gesicherte Abfuhrmöglichkeit lässt sich ein Wald kaum bewirtschaften und ist entsprechend schwerer zu vermarkten. Mehr dazu, worauf Käufer von Forstflächen achten, lesen Sie auf unserer Seite Wald verkaufen.
Leitungsrecht: Es erlaubt, Leitungen für Wasser, Abwasser, Strom, Gas oder Telekommunikation durch, über oder unter einem Grundstück zu führen und zu warten. Leitungsrechte werden häufig als beschränkte persönliche Dienstbarkeit für einen Versorger eingetragen und oft mit einem Betretungs- und Befahrungsrecht für Wartungsarbeiten kombiniert. Regeln Sie den Verlauf, einen etwaigen Schutzstreifen, Nutzungsbeschränkungen (etwa Bebauungs- oder Bepflanzungsverbote) und die Entschädigung für Flurschäden.
Wegerecht beim Kauf, Verkauf und in der Bewertung
Ein Wegerecht wirkt sich auf den Verkehrswert aus – also den Preis, der nach § 194 BauGB im gewöhnlichen Geschäftsverkehr zu erzielen wäre. Das dienende Grundstück ist belastet: Die Nutzung ist eingeschränkt, Bebauung oder Einzäunung sind im Bereich des Weges oft nicht möglich. Das herrschende Grundstück profitiert dagegen, denn ohne gesicherte Zufahrt wäre es kaum sinnvoll nutzbar. Wie stark sich das im Einzelfall auswirkt, hängt von Lage, Umfang und Verlauf des Rechts ab und lässt sich nur konkret bewerten.
Für Bauland ist die gesicherte Zufahrt sogar Voraussetzung: Ein Bauvorhaben ist nur zulässig, wenn die Erschließung gesichert ist (§ 30 Abs. 1, § 34 Abs. 1, § 35 Abs. 1 BauGB). Führt die Zufahrt über ein privates Nachbargrundstück, verlangt die Bauaufsicht in der Regel eine rechtliche Sicherung – je nach Bundesland durch Baulast, Dienstbarkeit oder beides.
Bei einem Eigentümerwechsel bleibt ein eingetragenes Wegerecht bestehen. Käufer sollten Abteilung II des Grundbuchs, die Bewilligungen in der Grundakte, das Baulastenverzeichnis und den tatsächlichen Wegeverlauf prüfen. Für Verkäufer gilt umgekehrt: Legen Sie Wegerechte offen und stellen Sie die Unterlagen vollständig zusammen. Das schafft Vertrauen und beschleunigt die Abwicklung beim Notar.
Wird eines der Grundstücke geteilt, besteht eine Grunddienstbarkeit für alle Teile des herrschenden Grundstücks fort; die Ausübung darf dadurch aber im Zweifel nicht beschwerlicher werden (§ 1025 BGB). Teile des dienenden Grundstücks, die außerhalb des Ausübungsbereichs liegen, werden von der Belastung frei (§ 1026 BGB).
Für eine fundierte Einschätzung bietet sich eine professionelle Grundstücksbewertung an. Bei Streitigkeiten oder für steuerliche Zwecke kann ein Verkehrswertgutachten durch Sachverständige sinnvoll sein.
Wegerecht ändern, ablösen oder löschen
Ein Wegerecht besteht grundsätzlich so lange, bis es aufgehoben wird. Für die Aufhebung braucht es nach § 875 BGB die Erklärung des Berechtigten, dass er das Recht aufgibt, und die Löschung im Grundbuch. Das Grundbuchamt verlangt eine Löschungsbewilligung des Berechtigten in beglaubigter Form (§§ 19, 29 GBO). Ist das herrschende Grundstück mit Rechten Dritter belastet, etwa mit Grundschulden, kann zusätzlich deren Zustimmung erforderlich sein (§ 876 BGB). Ob der Berechtigte für seinen Verzicht eine Gegenleistung erhält, ist Verhandlungssache.
Daneben gibt es weitere Wege, auf denen ein Recht endet oder sich ändert:
- Eine beschränkte persönliche Dienstbarkeit erlischt mit dem Tod des Berechtigten; das Grundbuch wird dann berichtigt.
- Eine Verlegung kann der Eigentümer unter den Voraussetzungen des § 1023 BGB verlangen.
- Eine Grunddienstbarkeit kann ausnahmsweise erlöschen, wenn sie dem herrschenden Grundstück dauerhaft keinen Vorteil mehr bieten kann – rechtlich ist das anspruchsvoll und sollte geprüft werden.
- Ein Notwegrecht endet, sobald das Grundstück eine andere ausreichende Verbindung zu einem öffentlichen Weg erhält.
Auch eine einvernehmliche Änderung, etwa eine neue Trasse oder eine neue Kostenregel, lässt sich im Grundbuch eintragen. Das läuft ebenfalls über Notar und Grundbuchamt.
Praxisbeispiel: Waldstück ohne eigene Zufahrt
Praxisbeispiel: Eine Erbin besitzt ein Waldstück, das nur über den Hofweg eines benachbarten Landwirts erreichbar ist. Ihr Vater hatte die Durchfahrt jahrzehntelang per Handschlag mit dem damaligen Hofeigentümer geregelt. Nach der Hofübergabe möchte der Nachfolger keine Holzabfuhr mit schweren Fahrzeugen mehr über seinen frisch befestigten Weg dulden.
Die Prüfung ergibt: Im Grundbuch ist kein Wegerecht eingetragen. Die alte Absprache war eine persönliche Gestattung, die den Hofnachfolger nicht dauerhaft bindet; ein Gewohnheitsrecht ist nicht entstanden. Weil der Wald keine andere Verbindung zu einem öffentlichen Weg hat, käme ein Notwegrecht in Betracht – allerdings nur im Umfang der ordnungsmäßigen forstwirtschaftlichen Nutzung und gegen eine Notwegrente. Über Richtung und Umfang müsste im Streitfall ein Gericht entscheiden.
Beide Seiten entscheiden sich deshalb für eine Verhandlung. Sie vereinbaren eine Grunddienstbarkeit mit genau beschriebenem Verlauf nach Lageplan, ein Fahrrecht für land- und forstwirtschaftliche Fahrzeuge zur Bewirtschaftung des Waldes, eine Pflicht zur Beseitigung von Schäden aus der Holzabfuhr, eine anteilige Unterhaltungsregel und eine einmalige Entschädigung. Die Bewilligung wird notariell beglaubigt und eingetragen. Das Ergebnis: Der Wald ist dauerhaft erreichbar – und damit auch für einen späteren Käufer interessant.
Checkliste: Wegerecht prüfen und regeln
- Aktuellen Grundbuchauszug anfordern und Abteilung II auf Geh-, Fahr- und Leitungsrechte prüfen
- Eintragungsbewilligungen aus der Grundakte beschaffen und Inhalt, Umfang und Lageplan lesen
- Baulastenverzeichnis abfragen, sofern Ihr Bundesland eines führt
- Tatsächlichen Wegeverlauf mit der Flurkarte abgleichen
- Prüfen, welche Nutzung erlaubt ist: zu Fuß, Pkw, landwirtschaftliche Maschinen, Lkw
- Unterhaltung, Verkehrssicherung, Winterdienst und Kostenverteilung schriftlich regeln
- Mündliche Absprachen durch eine im Grundbuch eingetragene Dienstbarkeit ersetzen
- Rang des Rechts gegenüber eingetragenen Grundschulden klären
- Bei einem Verkauf: Wegerechte offenlegen und bei der Bewertung berücksichtigen lassen
- Bei Streit: zuerst Gespräch oder Schlichtung, dann anwaltliche Beratung
Fazit
Ein Wegerecht entscheidet oft darüber, ob ein Grundstück sinnvoll genutzt, bebaut oder verkauft werden kann. Verlässlich ist nur ein im Grundbuch eingetragenes Recht mit klar beschriebenem Verlauf, Nutzungsumfang und eindeutigen Unterhaltungsregeln. Mündliche Absprachen und langjährige Duldung tragen spätestens beim Eigentümerwechsel nicht mehr; das gesetzliche Notwegrecht ist nur eine Notlösung mit hohen Hürden.
Wer ein belastetes oder begünstigtes Grundstück besitzt, sollte die Unterlagen kennen und offene Punkte frühzeitig regeln – am besten, bevor ein Verkauf oder eine Übergabe ansteht. Wenn Sie wissen möchten, wie sich ein Wegerecht auf den Wert Ihrer Fläche auswirkt, lassen Sie Ihr Grundstück über unsere Grundstücksbewertung einschätzen.
Häufige Fragen: Wegerecht verstehen
Muss ein Wegerecht im Grundbuch eingetragen sein?
Nur ein im Grundbuch eingetragenes Wegerecht (Dienstbarkeit) wirkt gegenüber jedem Eigentümer, also auch nach einem Verkauf, einer Übergabe oder einem Erbfall. Eine mündliche oder schriftliche Absprache bindet dagegen nur die Vertragspartner. Wer dauerhaft auf eine Zufahrt angewiesen ist, sollte das Recht deshalb eintragen lassen.
Wer muss einen Weg unterhalten, über den ein Wegerecht besteht?
Hält der Berechtigte zur Ausübung eine Anlage wie einen befestigten Weg, muss er sie nach § 1020 BGB in ordnungsmäßigem Zustand erhalten, soweit das Interesse des Eigentümers es erfordert. Nach § 1021 BGB kann vereinbart werden, dass stattdessen der Eigentümer des belasteten Grundstücks die Unterhaltung übernimmt. Nutzen beide den Weg, ist eine klare Regel zur Kostenteilung sinnvoll.
Entsteht ein Wegerecht, wenn ein Weg seit Jahrzehnten genutzt wird?
In der Regel nicht. Zwischen einzelnen Nachbarn entsteht durch langjährige Nutzung und Duldung weder ein Gewohnheitsrecht noch eine Dienstbarkeit. Fehlt einem Grundstück jedoch die notwendige Verbindung zu einem öffentlichen Weg, kann ein gesetzliches Notwegrecht nach § 917 BGB bestehen – gegen Zahlung einer Notwegrente.
Was kostet es, ein Wegerecht eintragen zu lassen?
Es fallen Notarkosten für den Entwurf und die Beglaubigung der Eintragungsbewilligung sowie Gebühren des Grundbuchamts an. Beide richten sich nach dem Gerichts- und Notarkostengesetz (GNotKG) und hängen vom Geschäftswert des Rechts ab. Hinzu kommt gegebenenfalls eine frei verhandelte Entschädigung für den Eigentümer des belasteten Grundstücks.
Kann ein eingetragenes Wegerecht gelöscht werden?
Ja, wenn der Berechtigte zustimmt: Er gibt eine Löschungsbewilligung in notariell beglaubigter Form ab, anschließend löscht das Grundbuchamt das Recht (§ 875 BGB, §§ 19, 29 GBO). Eine beschränkte persönliche Dienstbarkeit erlischt außerdem mit dem Tod des Berechtigten. Gegen den Willen des Berechtigten ist eine Löschung nur in Ausnahmefällen möglich.
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